Nachruf: Hubert Näßl (1968 – 2026)
Manchmal kommen die schlechten Nachrichten unerwarteter und heftiger, als man es vermuten würde. Am Wochenende ist der langjährige Grabungstechniker, Grabungsleiter und Leiter der Fundverwaltung in unserem Unternehmen, Hubert Näßl, verstorben.
Bereits während seines Studiums in Regensburg sammelte Hubert, der bereits eine abgeschlossene Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer in der Tasche hatte, bei der KANT Archäologie GmbH Erfahrungen in der Archäologie. Wie sehr ihn dieses Thema begeisterte, sieht man an seinem weiteren Lebenslauf: Die Feldarchäologie hat ihn nicht mehr losgelassen. Nachdem er über viele Jahre hinweg freiberuflich für verschiedene Fachfirmen sowie das BLfD gearbeitet hatte, entschied er sich 2012 für eine Anstellung bei der Pro Arch Prospektion und Archäologie GmbH. Eingesetzt zunächst als Grabungstechniker und Grabungsleiter, fiel schnell sein außergewöhnliches Auge fürs Detail, sein Bemühen, möglichst lückenlose Dokumentationen anzufertigen, und das stetige Mitdenken wissenschaftlicher Fragestellungen auf.
Diese Eigenschaften waren es, die zu der Entscheidung führten, ihm die Neuorganisation und Leitung unserer Fundabteilung anzuvertrauen. Hubert stellte sich dieser schwierigen, langwierigen und teilweise nervenaufreibenden Arbeit immer wieder aufs Neue. Er entwickelte Ordnungsprinzipien, etablierte Arbeitsabläufe und schaffte die Grundlage für Ablagesysteme und nachvollziehbare Dokumentation. Sein letztes Großprojekt überstieg in Umfang und Anspruch nochmals vieles vorher da gewesene. Mit annähernd 46.000 Fundeinheiten (von denen im Laufe der Bearbeitung keine verloren ging!) forderte das Projekt der Höhenfreimachung an der B16 in Manching nochmal vollste Aufmerksamkeit und großen Einsatz von Hubert. In bewährter Art brachte er das Projekt bis zur annähernd vollständigen Abgabefertigkeit.
Wer Hubert kannte, weiß sofort, was man meint, wenn man schreibt, dass er unverbogen war. Gleichzeitig war er ein extrem hilfsbereiter Mensch, der neben seiner Arbeit in der Archäologie, die zugleich Berufung war, einen Mini-Job im Krankenhaus hatte. Er wollte Menschen unterstützen. Sein Witz hat ihm und uns manches Mal durch schwierige Zeiten geholfen und den Alltag aufgelockert. In arbeitsreichen Zeiten hat er mehr als einmal sich und seine Bedürfnisse zu Gunsten eines Projekts zurückgestellt. Er hat für die Archäologie gebrannt und seine fachliche Neugier, den Entdeckergeist und die Begeisterung für antike Kulturen niemals verloren.
Die bayerische Archäologie verliert mit Hubert einen jener Köpfe, die für gute Rettungsgrabungen unabdingbar sind. Er besaß die außergewöhnliche Fähigkeit, das zu archivierende Material vollständig zu erfassen, für die Einlagerung aufzubereiten und übersichtlich zu übergeben. Gleichzeitig konnte er durch seine Akribie und seine penible Arbeitsweise dem Fundmaterial alle für die spätere Bearbeitung wichtigen Grundlagen entlocken und so aufbereiten, dass sie den formalen Anforderungen entsprachen. Mit beidem hat er für die wissenschaftliche Bearbeitung zahlloser Projekte der bayerischen Archäologie die Grundlage gelegt. Trotzdem hat sein Kopf niemals sein Profil verloren, sondern ist unverwechselbar Hubert geblieben –firmenintern wie extern.
Bereits im April ist mit der Übernahme der Abteilungsleitung durch unsere Kollegin Anna Scheffler in der Fundverwaltung eine neue Ära angebrochen. Dass Hubert nun mitten in der Einarbeitungszeit so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde, ist auch in dieser Hinsicht ein herber Schlag. Wir werden dennoch alles daransetzen, die gute Arbeit in Huberts Sinne fortzusetzen, ohne dabei Prozessoptimierungen aus den Augen zu verlieren.
In jeder Hinsicht reißt Hubert eine große Lücke. Er war über Jahre hinweg eine der Konstanten der Pro Arch. Als Freund, als Kollege, als Archäologe und als Organisator werden wir ihn vermissen, immer wieder.
Hubert, wir denken an dich!



